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 ADHS - Aufmerksamkeits-Defizit-Hyper / Hypoaktivitäts-Syndrom
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ADHS (Aufmerksamkeits - Defizit - Hyper- (Hypo-) aktivitäts - Syndrom)

Integrale Komplettierung

Unter integraler Komplettierung wird ein Unterricht verstanden, welcher sich durch eine ganzheitliche (integrale) Herangehensweise auszeichnet. Dabei muss die noch nicht voll entwickelte oder die fehlentwickelte Persönlichkeit des Kindes besonders beachtet werden, um sie dann zu vervollständigen und abzurunden. Die Komplettierung ist ein Prozess, der Weiterentwicklung im körperlichen, geistigen und im seelischen Bereich, um soziale, kognitive und pragmatische Kompetenzen zu erlangen.

Die integrale Herangehensweise ist deshalb so wichtig, da alle Lebensäußerungen des Menschen in einem seelischen Gesamtzusammenhang zu verstehen und zu beeinflussen sind. Das ADHS wird in diesem Konzept als ein, aufgrund psychischer Fehlentwicklung ausgebildetes Signalverhalten für psychische Probleme des Kindes verstanden.

Da dem Selbstwertgefühl die größte Bedeutung zugeschrieben wird, ist eine Neugewichtung der Zentralsymptome des ADHS Voraussetzung für die weitere Vorgehensweise. Denn demzufolge sind die Zentralsymptome:

  • Selbstwertprobleme, Minderwertigkeitsgefühle,
  • Teilleistungsstörungen im Wahrnehmungs- und Erlebensbereich,
  • Soziale Schwierigkeiten, mangelnde Gemeinschaftsfähigkeit

Da jetzt von einer tiefgreifenden Störung im Rahmen der Persönlichkeitsentwicklung ausgegangen werden kann, ergeben sich die Symptome der Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität, emotionale Auffälligkeit und Lernstörungen aus den oben genannten Zentralproblemen.

Der unterrichtliche Prozess vollzieht sich in vier Hauptphasen und einer Abschlussphase:

  • Beziehungsphase: Ziel ist die Herstellung einer tragfähigen Beziehung zwischen Schüler und Lehrer
  • Leistungsphase: Ziele sind die Aufhebung von Lernblockaden, die zunehmende Stabilisierung des Kindes hinsichtlich seines Selbstwertgefühls und die langsame Steigerung der schulisch relevanten Leistungen
  • Sozialisierungsphase: Ziel ist die Aufrechterhaltung und Förderung der Lernaktivitäten, Wahrnehmungsentzerrung, Stabilisierung der Selbstwertprobleme und Autonomiebestrebungen des Kindes
  • Individualisierungsphase: Ziel ist die Festigung des bisher Erreichten und die Erhaltung und Förderung der Entwicklungs-Eigendynamik, die das Kind zu einem autonomen Wesen werden lässt, das über eine eigene Identität verfügt

Nachbetreuungsphase: Ziel ist eine zusätzliche Absicherung und die Möglichkeit, Erfolge und auftretende Probleme noch im vertrauten Kreis bzw. mit vertrauten Personen besprechen zu können

Die methodisch-didaktischen Vorüberlegungen sind an allgemeinen Komponenten der Persönlichkeitsentwicklung und der Identitätsbildung orientiert. Da das ADHS-Kind diesbezüglich Störungen aufweist, müssen folgende Kompetenzen zusätzlich erlernt werden:

  • Die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse und Interessen zu entwickeln und wahrzunehmen,
  • Die Fähigkeit, eigene Zielsetzungen zu entwickeln,
  • Die Fähigkeit, selbstständig und selbstbestimmt zu handeln,
  • Die Fähigkeit, innerhalb einer Gruppe Eigenständigkeit zu entwickeln und zu erhalten,
  • Die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Handlungsfähigkeit immer wieder zu erproben,
  • Die Fähigkeit, reale Gegebenheiten auf dem Hintergrund der eigenen Handlungsfähigkeit einzuschätzen.

Durch das Herausstellen besonderer Fähigkeiten des Kindes und durch die Gewährleistung von Erfolgserlebnissen gelingt eine Stärkung des Selbstwertgefühls des Kindes. Wichtig sind auch Freiräume, in denen es selbstbestimmt spielen, forschen, Erfahrungen sammeln kann. Das Kind soll die Möglichkeit erhalten, in einer emotional sicheren Atmosphäre eigene Vorstellungen zu entwickeln und zu äußern. Angemessene Kritik und Widerspruch müssen trainiert und situationsbezogen gefordert werden.

Die Beobachtung des Kindes in unterschiedlichen Situationen, sowie Gespräche, die Aufschluss über das Selbstbild des Kindes geben, haben große Bedeutung.

Wird das kindliche Verhalten, sprich seine motorische Unruhe, unter einer Zielperspektive betrachtet, d.h. das Kind möchte dadurch Beachtung und Hilfestellungen erlangen, kann auch das Lehrerverhalten dahingehend verändert werden. Der Lehrer sollte die Ziele bestimmter Handlungsweisen mit dem Kind besprechen. Erst wenn die Ziele bewusst gemacht sind, kann mit dem Kind gemeinsam nach alternativen Verhaltensformen zu deren Erreichung gesucht werden.

Der schulische Weg des Kindes zeichnet sich durch Leistungsentlastung und Beziehungsaufbau, durch langsame Leistungssteigerung bezogen auf schulisches Lernen zu umfänglicher Sozialisierung und Individualisierung aus. Für jede Phase gilt: Soviel Lehrerzentriertheit und Fremdbestimmtheit wie vom Kind erwünscht, soviel Schülerzentriertheit und Selbstbestimmtheit wie möglich.

Die Beteiligung der Eltern an der Durchführung dieses Konzeptes in Form von Unterstützung des kindlichen Entwicklungsprozesses durch verändertes Erziehungsverhalten ist sinnvoll und notwendig.

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