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Warum brauchen Kinder heute länger Windeln?
Für uns ist es heute eine völlige Selbstverständlichkeit in den Laden zu gehen um Windeln zu kaufen. Vom Baby bis zum Erwachsenen sind alle Größen erhältlich. Aber das war nicht immer so. Wer ein wenig nachforscht, der findet heraus, dass die Wegwerfwindel noch ein sehr junges Produkt ist, welches uns das Leben heute erleichtert. Die erste Windel startete ihren Erfolg im Jahr 1961.
Seit der Markteinführung wurde die Windel immer wieder weiterentwickelt und verbessert. Heute haben die Windelhersteller ein echtes Hightech-Produkt für günstiges Geld im Angebot. Vom Neugeborenen bis zum Schulkind sind Windeln inzwischen in fast jedem Supermarkt – und online - erhältlich.
Aber das war nicht immer so. Bevor die Windel ihren Feldzug durch die Familien begann, gab es Stoffwindeln für die Kinder. Diese mussten Anfangs mit der Hand gewaschen werden (später in der Waschmaschine). Der Aufwand war also sehr hoch. Und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass Eltern immer dafür Sorge getragen haben, dass ihre Kinder möglichst schnell die Sauberkeitserziehung abgeschlossen haben. So kam es, dass die Kinder früher mit zwei bis zweieinhalb Jahren Tag und Nacht sauber waren.
Rückblickend ist das entwicklungspsychologisch betrachtet ein Alptraum für jedes Kind. Ständig haben die Eltern Druck auf die Kinder ausgeübt um ans Ziel zu kommen. Nicht selten wurde auch mit der Prügelstrafe gearbeitet, wenn das Kind mal wieder ins Bett oder in die Hose gemacht hat.
Im Vergleich dazu leben die Kinder von heute in einer paradiesischen Welt. So ist es heute üblich, dass die Kinder erst zum Schulbeginn, also mit sechs oder sieben Jahren, Tag und Nacht sauber sind. Nach außen hin wird allerdings gern angegeben, dass der eigene Nachwuchs mit etwa drei Jahren rundum Windelfrei ist. Dass das Kind in der Nacht oder bei langen Autofahrten oder im Urlaub Windeln angezogen bekommt, wird nicht erwähnt.
Auch wenn das Kind im Alter von drei oder vier Jahren in den Kindergarten kommt, geben die Eltern an, dass die Sauberkeitserziehung längst abgeschlossen ist. Denn dass die Kinder am Abend auf dem Wickeltisch die Nachtwindel anbekommen sieht niemand. Die Eltern werden hier zum Lügen gezwungen. Denn in den Kindergarten dürfen nur Kinder, die nicht mehr Einnässen oder Einkoten. Windeln im Kindergarten sind Tabu! Ausgerechnet Erziehungsexperten stellen heute noch solch unmögliche Forderungen an die Eltern und die Kinder. Ein trauriger Zustand.
Selbst Kinderärzte vertreten heute die einstimmige Meinung, dass sich Eltern in der Sauberkeitserziehung ihrer Kinder keinen Stress machen sollen. Von Enuresis spricht man frühestens dann, wenn das Kind mit 6 Jahren noch immer nicht sauber ist. Medizinische Maßnahmen sind bis dahin für gewöhnlich unnötig und sogar unnütz. Denn manche Kinder werden früher sauber, andere eher später. Eine wirkliche Norm gibt es nicht mehr. Der einzige Anhaltspunkt kann als Richtwert gesehen werden. Und der erstreckt sich vom 3. bis zum 7. Lebensjahr.
Alles in allem ist es heute so, das den Kindern die Freiheit gegeben wird selber zu entscheiden, wann sie für diesen Entwicklungsschritt bereit sind. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, merken die Eltern spätestens dann, wenn das Kind von sich aus vermeldet, das es mal „muss“. Oder aber wenn es die Windel von sich aus nicht mehr haben will, weil das Nachbarkind auch keine Windel mehr hat.
Die Kinder brauchen heute länger Windeln, weil man ihnen mehr Zeit zur persönlichen Entwicklung gibt. Bis sich das jedoch insgesamt in der Gesellschaft durchgesetzt hat, wird es noch eine ganze Weile brauchen.
Nicht zuletzt haben wir heute auch andere Bedingungen unter denen die Kinder heute Leben.
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